Eschatologische Raumsemantiken digitaler Friedhöfe

Der Umgang mit dem Tod findet auch digital Ausdruck. Dazu zählen Online-Gedenkseiten, sogenannte "digitale Friedhöfe". Dass auch intim-existenziellen Erfahrungen wie jene von Abschied und Trauer Verschiebungen ins Digitale erfahren, wurde durch die Covid-19-Pandemie in tragischer Aktualität vor Augen geführt.

Das Projekt "Eschatologische Raumsemantiken digitaler Friedhöfe" untersucht Todesverständnisse und Jenseitsvorstellungen digitaler Friedhöfe insbesondere anhand von deren Raumsemantiken. Ziel des Forschungsprojektes ist es, anhand der Erhebung und Kategorisierung derartiger Raumsemantiken – über praktisch-theologische und hermeneutische Zwischenschritte – zu einer präziseren, empirisch informierten, systematisch-theologischen Urteilsbildung hinsichtlich der Todes- und Jenseitsvorstellungen gelebter Religiosität zu gelangen. Diese soll für die theologische Eschatologie speziell in raumtheoretischer Hinsicht fruchtbar gemacht werden.

Dafür werden in einem ersten, empirisch orientierten Schritt ausgewählte Internetseiten digitaler Friedhöfe anhand von computerlinguistisch erstellten Datenkorpora (in Kooperation mit P1) auf Raumsemantiken untersucht und im Kontext von Raumsuggestionen und -konzeptionen interpretiert. In einem zweiten, hermeneutischen Schritt werden die erhobenen Daten praktisch-theologisch reflektiert und schliesslich mit systematisch-theologischen Konzeptionen der Eschatologie in einen kritisch-konstruktiven Dialog gebracht.

Sofern sich im Kontext digitaler Friedhöfe auch (hybrid-) religiöse Todes- und Jenseitsvorstellungen beobachten lassen, leistet das Forschungsprojekt einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Verständnis gelebter digitaler Religiosität bzw. von hybrid-religiösen Ausdrucksformen im Internet. Weiter gefasst erhellt das Projekt über die Analyse digitaler Trauerkultur einen musterhaften Teilaspekt religiöser und kultureller Transformationsprozesse im Todes- und Jenseitsverständnis der digitalen Spätmoderne.